Zurück an die Arbeit!

Lars Vollmers neues Buch „Zurück an die Arbeit!“ provoziert und ist herrlich lebensecht. Wenn er Meetings, Jahresgespräche und Budgetverhandlungen schildert, bleibt kein Auge tränenfrei. Doch es geht dem Autor um ein ernstes Thema: Mitarbeiter und ihre Chefs verbringen zu viel Zeit mit Tätigkeiten, die weder wertschöpfend sind noch dem Kunden dienen, die wie Arbeit aussehen, aber eigentlich nur Businesstheater sind. Gekonnt führt er den Leser durch das Businesstheater und über die Hinterbühne. Am Ende des Buchs steht die Erkenntnis, dass die alten Managementmethoden nicht mehr taugen und dass jedes Unternehmen für sich die richtige Organisationsform für die Zukunft finden muss – ausgerichtet am Kunden.

So manchen Leser wird es vor Entsetzen schütteln, wenn er liest, dass der Autor vorschlägt, auf das ganze Businesstheater inklusive Planung zu verzichten. Und wenn die Banken eine Planung wollten, dann könne man für die ja eine machen, aber um Himmels willen nicht die Mitarbeiter damit belasten. Die solle man arbeiten lassen. Klingt sehr radikal, aber Vollmer führt gute Gründe für seine Forderungen und Vorschläge ins Feld und er kann Unternehmen nennen, bei denen dies funktioniert und die gerade deswegen erfolgreich sind. Vollmer hat Recht, wenn er schreibt, dass keine dieser Tätigkeiten aus dem Businesstheater wertschöpfend ist oder der Lösung von Kundenproblemen dient: „Ob Sie mit Ihrem Mitarbeiter ein Jahresgespräch führen oder nicht, ob Sie eine Budgetplanung machen oder nicht – der Kunde kauft möglicherweise trotzdem, aber nicht deswegen!“

Wurzel des Übels sind laut Vollmer überholte Managementmethoden und tayloristische Organisationsstrukturen aus dem vorigen Jahrhundert, die nicht mehr zu den heutigen Marktbedingungen passen. Er empfiehlt, sich davon zu verabschieden und den eigenen Weg zu gehen, die passende Organisationsform zu suchen. Am Anfang stehe die „Rückbesinnung auf den ursprünglichen Zweck, zu dem das Unternehmen einst gegründet worden ist: Echte Zusammenarbeit“, und zwar um die Probleme seiner Kunden zu lösen. Die nächste Frage laute deshalb: „Wozu arbeiten wir zusammen?“ Die konkrete Organisation müsse für die Kunden gebaut werden. Und ganz wichtig: Der Kunde, der Markt müsse auf die Organisation wirken dürfen. Und auch wenn Vollmer sich nicht festlegt – die Tendenz geht zu sich selbst organisierenden Teams, denn: „ Wenn Sie einer komplexen Situation lediglich mit komplizierten Denk- und Handlungsmustern begegnen, muss das einfach schiefgehen.“

Ein lesenswertes Buch, in dem viele Leser sich selbst oder ihr Unternehmen wiederfinden werden. Eine neue Sichtweise auf Arbeit und teilweise radikale Vorschläge scheinen in weiten Teilen sehr überzeugend und stimmen sehr nachdenklich.

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