Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen

Lars Vollmer, Unternehmer und Begründer vonintrinsify.me, dem größten offenen Thinktank für die neue Arbeitswelt und moderne Führung, hat ein schmales Büchlein mit dem Titel „Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen“, veröffentlicht. Es ist schnell zu lesen, doch der Inhalt hat es in sich, besonders das Zusatzkapitel, das man sich auf der Website www.larsvollmer.de zum Download bestellen kann. In diesem Zusatz wendet der Autor seine Gedanken aus dem Buch auf die Gesellschaft/die Menschheit als Ganzes an. Der gefragte Redner fordert nichts weniger als die Abschaffung von Management und sonstigen Führungspersonen inklusive einer (über)regulierenden Politiker- und Beamtenkaste.

Vollmer ist überzeugt: „Nicht jeder Mensch kann alles und weiß alles. Aber wir Menschen insgesamt: Wir können und wir wissen alles, was wir brauchen. Und wir haben die besten Absichten.“

Die Vorstellungen Vollmers in dem Zusatzkapitel werden manchem zu weit gehen, doch es ist die Konsequenz dessen, was er zuvor im Buch schreibt und das ist allemal lesenswert. Die sieben Gedanken, die er darin entwickelt, zeigen Unternehmen, weshalb es an der Zeit ist, Hierarchien und Kästchen-Organigramme über Bord zu werfen und die Arbeit – die wirklich wichtige Aufgabe, den Kunden zufrieden zu stellen – sich selbst organisierenden Teams zu überlassen. Damit weist er Unternehmen einen Weg, sich in einer immer komplexer werdenden Welt zu behaupten und die Agilität zu gewinnen, die allgemein gefordert wird. Der Autor theoretisiert nicht nur, sondern führt gleich eingangs das Beispiel „abat“ an, ein SAP-Beratungshaus, das mit extrem wenigen Regeln auskommt. Vollmer bezeichnet Regeln als interne Referenzen, die den Mitarbeitern die Freiheit (und die Freude) nehmen, sich um die echten Probleme, nämlich die Probleme und Bedürfnisse der Kunden zu kümmern.

Vollmers sieben Gedanken in Kürze:

  1. Bürokratie macht aus Arbeit Beschäftigung.
  2. Nur echte Mannschaften leisten Für- und Miteinander.
  3. Ohne Ämter entstehen Engagement und Verantwortung.
  4. Die Früchte der Arbeit verdienen alle Beteiligten gleichermaßen.
  5. Prinzipien locken den Erfolg an, während Regeln den Misserfolg rechtfertigen.
  6. Organisationen werden leistungsfähig und anständig, sobald Wissen kein Machtinstrument ist.
  7. Mit Überraschungen kann nur umgehen, wer vorbereitet ist.

Allerdings wäre es zu kurz gesprungen, Vollmers Buch nur als gegen die firmeninterne Bürokratie gerichtet zu begreifen. Er wendet sich gegen die Bevormundung von Menschen/Mitarbeitern durch ein Management, das sich an Strukturen und Methoden aus dem Industriezeitalter klammert, um weiterhin den eigenen Status zu erhalten und Planbarkeit zu suggerieren, die es nicht gibt, wenn die Welt, der Markt, die Kunden voller Überraschungen stecken. Zu viele Regeln und das Management hindern nach Meinung des Autors Organisationen daran, die sich bietenden Chancen zu ergreifen, zu nutzen und erfolgreich zu sein. Er schreibt: „Steuerung von innen braucht es nicht, weil die Steuerung ohnehin und schon immer vorhanden ist. Nämlich von außen, durch Kunden und Wettbewerber.“

Ein provokantes Buch, doch wer mit offenem Geist liest, wird feststellen, dass sich mit Vollmers Gedanken viele Probleme heutiger Organisationen lösen lassen. Man darf gespannt darauf sein, wie der Autor in seinem nächsten Buch die Gedanken aus diesem Buch vertieft und in die Idee der Verantwortungsgesellschaft überträgt.

Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen,
intrinsify.me GmbH, ISBN 978-3-9819180-0-7, € 15, auch als E-Book und Hörbuch erhältlich.

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