Ein Gang über den „Markenfriedhof“

Die Baumarktkette Praktiker ist ein Fall für den Insolvenzverwalter. Das Traditionsunternehmen Loewe kämpft ebenfalls ums Überleben. Ausgang ungewiss. Ein „Billigheimer“ der eine, ein Hersteller von teuren „High-end-Geräten“ der andere. Beide Konzepte sind nicht aufgegangen. Und so drohen schon bald zwei weitere bekannte Marken zu verschwinden. In Österreich sieht die Lage noch bedrohlicher aus: Die Insolvenz des Salzburger Baukonzerns Alpine könnte zusätzlich Dutzende von kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Abgrund reißen.

Lost Brands
Lost Brands

Im ersten Halbjahr sorgte ferner unter anderem die Pleite der Elektronikkette Niedermeyer für Aufsehen.

Auch für große Marken, die mitunter synonym stehen für eine ganze Branche, gilt nicht die Devise „Too big to fail“. Immer wieder brachen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einstmals erfolgreiche Traditionsunternehmen zusammen. Ihre Marken verschwanden vom Markt, sind nurmehr ein Stück Wirtschaftsgeschichte: Saba, Borgward, Horten, Bankhaus Herstatt, Philipp Holzmann – sie alle ruhen in Frieden auf dem deutschen Markenfriedhof. Aber auch internationale Brands verabschiedeten sich mit spektakulären Pleiten. PanAm zum Beispiel, oder auch Commodore Computer.

Vielfach verknüpfen sich mit diesen Marken sehr persönliche Erinnerungen. Wer hat – lange vor dem Siegeszug des Internets – nicht gern im Quelle- oder Neckermann-Katalog gestöbert? Für viele war das Kreidler-Moped der erste fahrbare Untersatz. Ein Fernseher von Saba war der ganze Stolz unserer Eltern. Erst recht ein Borgward in der Garage.

Die Autoren erzählen in ihrem Buch „Lost Brands“ vom Aufstieg und Niedergang starker Marken. In anschaulichen Reportagen, denen sich jeweils entsprechende Analysen anschließen, gehen sie der Frage nach, weshalb „Too big to fail“ nicht einmal für Traditionsmarken gilt. Aber sie liefern auch Beispiele für die erfolgreiche Rettung von Marken – zum Beispiel die vielbeachtete Renaissance des Uhrenherstellers Junghans. Beispiele für erfolgreiche oder gescheiterte Neustarts liefert schließlich das Kapitel „Brands Revived“.

Die Geschichte von Marken ist immer auch die Geschichte einer Zeit, einer Branche und der Menschen, der Unternehmer, der Mitarbeiter und der Kunden. Das macht dieses Sachbuch zu einem spannenden und abwechslungsreichen Geschichtenbuch. Und bei so mancher Marke wird der Leser eigene Erinnerungen haben.

Lost Brands wurde als Abstract der Woche empfohlen. Die getAbstract Buchempfehlung auf www.getAbstract.com

Lost Brands von Michael Brückner und Andrea Przyklenk, Springer Gabler Verlag, ISBN 978-3-8349-6984-2.

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